Hitze, Dürre, Feuer: Die Bilanz des Sommers 2026

| Ökologie

41,8 Grad in Sachsen-Anhalt, Feuer von Spanien bis Belgien und Böden, die bis tief in den Untergrund ausgetrocknet sind: Der Sommer 2026 hat Spuren hinterlassen. Mit etwas Abstand zeigen die Daten von Wetterdienst, Forschungsinstituten und EU, wie außergewöhnlich er war – und warum seine Folgen für Bäume noch lange nicht vorbei sind.

Ein Sommer der Rekorde

Am 27. Juni zeigte das Thermometer in Möckern-Drewitz (Sachsen-Anhalt) 41,8 °C. So heiß war es in Deutschland seit Beginn der Messungen noch nie, der alte Rekord von 41,2 °C aus dem Juli 2019 ist damit Geschichte.
Über den ganzen Sommer gemittelt lag die Temperatur laut Deutschem Wetterdienst (DWD) bei 19,6 °C. Das sind 3,3 Grad mehr als im Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Nur der Jahrhundertsommer 2003 war mit 19,7 °C
noch einen Hauch wärmer.

Mittlere Sommertemperatur in Deutschland: 2003 19,7 °C, 2026 19,6 °C, 2018 19,3 °C, Mittel 1991–2020 17,6 °C, Mittel 1961–1990 16,3 °C

Außergewöhnlich war vor allem, wie lange die Hitze anhielt. Im Bundesmittel zählte der DWD rund 22 Hitzetage mit mindestens 30 °C und rund 5 Wüstentage mit mindestens 35 °C – so viele Hitzetage gab es noch nie. Der Hotspot lag im Südwesten: Das Saarland, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen erlebten ihren heißesten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn.
Spitzenreiter war die Wetterstation Rheinfelden an der Grenze zur Schweiz. Dort war es an 56 Tagen heiß – fast zwei Drittel des Sommers –, an 24 davon sogar mit 35 °C und mehr.

Hitze- und Wüstentage im Sommer 2026: Deutschland 22 und 5, Rheinfelden (Baden) 56 und 24

Europa in Flammen

Bis zum 23. September verbrannten in der EU knapp 679.000 Hektar – fast doppelt so viel wie im Schnitt der vergangenen 20 Jahre bis zu diesem Datum. Das zeigen die Daten des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS. Nur das Rekordjahr 2025 lag mit über einer Million Hektar noch darüber.

Verbrannte Fläche in der EU bis 23. September: Mittel 2006–2025 355.397 ha, 2025 1.026.104 ha, 2026 678.978 ha

Am stärksten traf es Spanien mit rund 311.000 Hektar, mehr als die Fläche des Saarlands. Frankreich erlebte mit über 107.000 Hektar sein schlimmstes Brandjahr; allein beim Großbrand in der Gironde mussten mehr als 220.000 Menschen ihre Häuser verlassen.
Auch weiter nördlich brannte es. Der Brand im Hohen Venn, einem Moorgebiet nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze, gilt mit rund 3.000 Hektar als größter Flächenbrand in Belgiens Geschichte. In Deutschland erfasste EFFIS bis Anfang August rund 6.000 Hektar, fast doppelt so viel wie im langjährigen Mittel. Im Hürtgenwald in der Eifel brannte der vermutlich größte Waldbrand Nordrhein-Westfalens seit Jahrzehnten.
Fachleute sprechen von Feuerwetter: Wo Hitze, Trockenheit und Wind zusammenkommen, entzündet sich ausgedörrte Vegetation leicht und Flammen breiten sich schnell aus. Den Funken liefert in Europa allerdings meist der Mensch, aus Unachtsamkeit oder mit Absicht.
Und der Trend zeigt nach oben. Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Senckenberg Gesellschaft könnte die jährlich verbrannte Fläche in Europa bis Ende des Jahrhunderts um 39 Prozent (niedrige Emissionen) bis 192 Prozent (hohe Emissionen) wachsen. Wie viel davon tatsächlich brennt, entscheiden auch Prävention, Früherkennung und Brandbekämpfung.

Durst unter der Oberfläche

Mit rund 171 Litern pro Quadratmeter fielen im Sommer nur 72 Prozent der üblichen Regenmenge, am nördlichen Oberrhein sogar nur etwa 70 Liter. Deutschland war dabei zweigeteilt: Nur der Nordosten bekam nennenswerte Regenmengen ab, während das Saarland, Rheinland-Pfalz, Südhessen, Baden-Württemberg und Bayern besonders unter Wassermangel litten.
Entscheidend ist der Blick unter die Oberfläche. Die oberen 25 Zentimeter Boden erholen sich nach einigen Regentagen schnell – nach den Niederschlägen im August wurden Wiesen und Weiden vielerorts wieder grün. In den tieferen Schichten bis etwa 1,8 Meter, die der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) als Gesamtboden erfasst, sieht es anders aus. Genau dort ziehen Bäume ihr Wasser, und von dort wird das Grundwasser neu gebildet.
Im Süden und Osten fehlt in diesen Schichten weiterhin Feuchtigkeit, denn schon seit dem Herbst 2025 fiel dort deutlich weniger Regen als normal. Die Grundwasserstände sanken weiter, Rhein und Donau führten Niedrigwasser, Schiffe saßen fest. Laut UFZ-Dürreexperte Andreas Marx braucht es nun keine jahrelangen Regenfälle, sondern vor allem einen Winter mit normalen Niederschlägen, damit 2027 kein weiteres Dürrejahr für Bäume, Flüsse und Grundwasser wird. Vorhersagen lässt sich das nicht.

Quellen
• Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im Sommer 2026, 31.08.2026 (Kurzfassung im Deutschen Klimaportal)
• Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im Sommer 2018, 30.08.2018
• cleanthinking.de: Hitzewelle 2026: DWD-Bilanz mit Rekord von 41,8 Grad
• hessenschau: Hessen erlebt heißesten Sommer seiner Geschichte
• wetterprognose-wettervorhersage.de: Der Sommer 2026 mit neuen Superlativen (Hitze- und Wüstentage Rheinfelden)
• FAZ: Dürre, Hitze, Brände: Eine denkwürdige Bilanz des Sommers 2026, 21.09.2026
• Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission (JRC) / EFFIS: Current wildfire situation in Europe, Stand 23.09.2026
• taz: Waldbrände in Europa: Trockenfutter für das Feuer (EFFIS-Werte Spanien, Frankreich, Belgien)
• Carbon Brief: Factcheck: No, Europe is not having its ‘quietest’ year for wildfires (Evakuierungen Gironde)
• Euronews: Wildfires in Europe: Is 2026 already the worst year on record? (EFFIS-Werte Deutschland)
• ms-aktuell: Hohes Venn: 3000 Hektar verbrannt, 19.08.2026
• Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW: Akute Waldbrand-Lage im Hürtgenwald
• Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Area affected by wildfires in Europe could almost triple due to climate change, 20.08.2026
• Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung: Dürremonitor Deutschland
• weather.com: Trockenheit in Tiefe der Böden angekommen, 13.07.2026
• Robert Koch-Institut: Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, Stand 24.09.2026

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