Eine haarige Angelegenheit, der Eichenprozessionsspinner

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Diesen Frühsommer war er in aller Munde – der Eichenprozessionsspinner.
Wegen ihm wurden ganze Parks und Naherholungsgebiete gesperrt, denn die feinen Gifthaare der Raupe des Eichenprozessionsspinner lösen bei Mensch und Tier gesundheitliche Schäden, wie Juckreiz, Quaddeln oder asthmatische Anfälle aus.

Doch was ist der Eichenprozessionspinner überhaupt?

Der Eichenprozessionsspinner ist ein graubrauner Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner. Sein Wirt sind Eichenbäume. Als Lebensraum bevorzugt der Eichenprozessionsspinner besonnte Waldränder, Einzelbäume, Alleen und Parkanlagen oder lichte Eichenwälder.

Der Lebenszyklus des Eichenprozessionsspinners

Pro Jahr bildet der Eichenprozessionsspinner eine Generation aus. Von August bis September schlüpfen die Falter. Die Paarung und Eiablage erfolgen unmittelbar nach dem Schlupf des weiblichen Falters. Die Eier werden in hexagonalen flachen Paketen in die Kronen der Eichen abgelegt. Während des Winters überwintern die Raupen als Eiraupen. Im März bis Mai schlüpfen dann die Raupen und durchlaufen 5 bis 6 Larvenstadien. Ab dem 3. Larvenstadium bilden sie die gesundheitsgefährdenden Brennhaare aus, deren Anzahl mit jedem weiteren Stadium zunimmt. Im Juli erfolgt die Verpuppung der Larven. Von August bis September schlüpfen schließlich die Falter erneut.

Die nächtlichen Prozessionen

Seinen Namen verdankt der Eichenprozessionsspinner den nächtlichen Futtereskapaden. Einer Prozession gleichend, bilden die Raupen eine geschlossene Reihe und wandern von ihren Nestern zu ihren Nahrungsbäumen. Ihr Kopf ist dabei im steten Kontakt zur Vorderraupe, es gibt keine Anstalten aus der Reihe zu tanzen. Wie weit die strikte Folgsamkeit der Prozessionspinner geht, hat der Insektenforscher Jean-Henri Fabre (1823-1915) in einem Experiment zeigen können. Er schloss eine Prozession zu einem Kreis um eine 1,5 Meter große Vase kurz. Die Raupen bewegten sich mehrere Tage bis hin zur totalen Erschöpfung. Und trotzdem schlug keine Raupe aus der Reihe.

Warum ist die Population dieses Jahr besonders groß?

Es kann immer wieder zu sogenannten Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners kommen. Günstige Witterungsverhältnisse oder das Ausbleiben natürlicher Fressfeinde begünstigen dies. In einem Bestimmungsbuch aus dem Jahr 2000 heißt es, dass es in manchen Jahren zu Massenentwicklungen kommen kann – in der Regel selten und nur lokal verbreitet. Gerade in Berlin und Brandenburg ist längst nicht mehr von manchen Jahren die Rede: Seit zwei Jahren herrscht dort ein anhaltender Ausnahmezustand.

Dieses Jahr begünstigte ein warmer und trockener April die Vermehrung der Raupen. Zum einen reifen die Eier in diesem Klima besser heran und mehr Raupen schlüpfen. Zum anderen schafft das warme und trockene Klima auch ideale Voraussetzungen für die nächtlichen Futterwanderungen.

Mit zunehmender Trockenheit und steigenden Temperaturen auf Grund des Klimawandelns, wird sich der Eichenprozessionsspinner verstärkt ausbreiten.

Welche Folgen hat das für die Eichen?

Am liebsten futtern die Raupen Eichenblätter, und das nicht zu knapp. Bei starkem Befall verursacht der Eichenprozessionsspinner den sogenannten Kahlfraß der Eichen. Trifft der Kahlfraß eine Eiche einmalig, übersteht sie den vollständigen Blattausfall in der Regel ohne bleibende Folgeschäden. Problematisch wird es erst bei mehrjährigem Befall. Dann sinkt die Vitalität des Baumes drastisch. Die in der Folge geschwächten Bäume werden anfälliger für Schädlinge und Krankheiten.

Gegenwärtige Situation

Ab Mitte Juni beginnt je nach Region und Witterung sich die Raupe zu verpuppen und 3-5 Wochen später im Juli bis September schlüpft der Falter.

Laut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg hat der Falterflug des Eichenprozessionsspinners dort begonnen (Stand: Ende Juli).

Als Falter ist der Eichenprozessionsspinner für den Menschen ungefährlich. Auch die Eichen können sich erholen, denn nach der Völlerei als Raupe isst der Falter nun gar nicht mehr. Seine einzige verbleibende Aufgabe ist die Fortpflanzung.

Auch wenn der Eichenprozessionsspinner nicht mehr als haarige Raupen unterwegs ist, geht von den Häutungsresten und Gespinsten geht weiterhin eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit aus. Die giftigen Haare bleiben noch Jahre an alten Raupenhäuten und in verlassenen Gespinstnestern, werden durch den Wind weit verbreitet und können bei Kontakt mit Tier und Mensch allergische Reaktionen auslösen.

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