TreeSense Pulse: Alles zum neuen baumartspezifischen Feuchtigkeitsindex
Der TreeSense Feuchtigkeitsindex wird nicht mehr über eine einheitliche Formel bestimmt, sondern baumartspezifisch.
Damit ändern sich in der Anwendung drei Dinge: die Temperaturkompensation, der Wertebereich des Index (keine Obergrenze mehr bei 100 %) und die Zahlenwerte der Grenzwerte. Die Bewässerungsempfehlungen bleiben dabei so weit es geht gleich.
Inhalt:
- Kurzzusammenfassung
- 1. Temperaturkompensation
- 2. Wertebereich
- 3. Grenzwerte
- 4. Was du jetzt tun kannst
Kurzzusammenfassung
1. Temperaturkompensation
Die neue Kompensation berücksichtigt, dass neben der Temperatur auch die Holzeigenschaften je Baumart unterschiedlich auf den Messwert wirken. Das macht den Index genauer und vor allem bei niedrigen Temperaturen stabiler.
Warum Temperaturkompensation?
Der TreeSense Pulse misst den elektrischen Widerstand zwischen zwei Schrauben im Xylem (wasserleitende Bahnen des Asts). Der Widerstand hängt stark von der Feuchtigkeit im Holz ab. Niedriger Widerstand bedeutet mehr Feuchtigkeit. Hoher Widerstand bedeutet weniger Feuchtigkeit. Die Feuchtigkeit ist zwar der größte, aber nicht der einzige Einfluss. Auch Temperatur und baumartspezifische Merkmale wie Porentyp und Holzdichte verändern den Widerstand.
Bisher: Eine Formel für alle Baumarten
Die bisherige Umrechnungsformel stammt aus einem Experiment an der Schwarzpappel. Dafür wurde ein frisch abgeschnittenes Aststück bei variierender Temperatur ausgetrocknet und dabei laufend vermessen. Aus der Beziehung zwischen Widerstand, Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt ergab sich die Formel für den Feuchtigkeitsindex.
Die Haupteinschränkung dieser Formel ist, dass sie keine Unterschiede zwischen Baumarten berücksichtigt. Für manche Arten passt sie gut, für andere deutlich schlechter.
Neu: Kalibrierung je Baumart
Wir haben verschiedene Baumarten mehrfach vermessen, mit einem verbesserten und reproduzierbaren Messaufbau. Daraus ist für etwa 10 Baumarten ein eigener, baumartspezifischer Feuchtigkeitsindex entstanden.
Ist eine Baumart noch nicht kalibriert, wird automatisch die Kalibrierung der phylogenetisch nächstähnlichen Baumart verwendet.
Was das in der Praxis bedeutet:
- Temperatur und Holzeigenschaften werden besser kompensiert.
- Der Index nähert den tatsächlichen Feuchtigkeitsgehalt besser an.
- Der Verlauf ist (besonders bei niedrigen Temperaturen) stabiler.
Weiterlesen: Elektrische Widerstandsmessung erklärt, Was ist der TreeSense Feuchtigkeitsindex? und Die Taxonomie der Bäume
2. Wertebereich
Der Feuchtigkeitsindex ist eine Näherung des gravimetrischen Wassergehalts, bezogen auf das Trockengewicht (Darrgewicht) des Holzes. Neu ist: Werte über 100 % werden nicht mehr abgeschnitten.
Was der gravimetrische Wassergehalt misst
Der gravimetrische Wassergehalt beschreibt das Verhältnis vom Gewicht des Wassers im Holz zum Gewicht des vollständig getrockneten Holzes:

Weil der Bezug das Trockengewicht ist und nicht das Gesamtgewicht, sind Werte über 100 % möglich. Holz kann mehr Wasser aufnehmen, als es im trockenen Zustand wiegt. Werte über 100 % sind deshalb völlig üblich.
Andere Definitionen beziehen den Wassergehalt auf das Nassgewicht des Holzes oder auf das Volumen statt auf das Gewicht. Werte aus solchen Messungen sind erst nach Umrechnung mit dem TreeSense Feuchtigkeitsindex vergleichbar.
Bisher: Obergrenze bei 100 %
Der bisherige Index wurde bei 100 % abgeschnitten, um den betrachteten Bereich einzugrenzen. Theoretisch waren höhere Werte auch damals möglich.
Neu: keine Obergrenze mehr
Wir schneiden nicht mehr bei 100 % ab. Das ist mit dem baumartspezifischen Index notwendig: Er berücksichtigt, dass Baumarten unterschiedliche Darrdichten haben und damit unterschiedlich viel Platz für Wasser im Holz.
Jede Baumart bewegt sich deshalb in ihrem eigenen Bereich der Skala. Manche Arten liegen im gut versorgten Zustand regelmäßig über 100 %. Ein Wert über 100 % ist also kein Messfehler.
Weiterlesen: Feuchtigkeitsgehalt von Holz und Wieso der Feuchtigkeitsindex über 100% sein kann
3. Grenzwerte
Die Grenzwerte werden je Baumart so umgerechnet, dass die Ampel bei gleichem Widerstand ähnlich schaltet wie bisher. Die Zahlen ändern sich, die Bewässerungsempfehlungen bleiben weitgehend gleich.
Bisher: 70 % und 50 % für alle Bäume
Diese Grenzen sind empirisch aus unseren bisher erfassten Daten entstanden. In der Anwendung bei unseren Kunden haben sie sich als sinnvolle Durchschnittswerte bewährt. Sie haben aber nicht den Anspruch, absolut zu gelten, und können bereits jetzt in der Cloud angepasst werden.
Neu: Grenzwerte je Baumart
Für den baumartspezifischen Index rechnet TreeSense die Grenzwerte automatisch um:
1. Grundlage sind die Kalibrierkurven bei 15 °C.
2. Über die Schwarzpappel-Kurve wird bestimmt, welcher Widerstand bisher 70 % und 50 % entsprach.
3. Über die Kurve der jeweiligen Baumart wird dieser Widerstand in den neuen Indexwert übersetzt. Das ergibt die neuen Grenzwerte.
Beispiel: Hat ein Baum bisher bei 15 °C und 40 kOhm auf Orange geschaltet, schaltet er auch jetzt ungefähr bei 40 kOhm auf Orange. Nur der angezeigte Indexwert an dieser Grenze ist ein anderer.
Unsere Empfehlung bleibt
Gleiche die Grenzwerte zu Beginn der ersten Saison mit deinen eigenen Beobachtungen am Baum ab. Bei Bedarf kannst du die Grenzwerte manuell anpassen.
Weiterlesen: Neue Grenzwerte für die baumartspezifische Kalibrierung und Grenzwerte deiner Bäume manuell anpassen
4. Was du jetzt tun kannst
- Prüfe die Baumart jedes Baums in der Cloud, damit die richtige Kalibrierung greift.
- Werte über 100 % sind nach der Umstellung normal und kein Fehler.
- Gleiche das Ampelverhalten in den ersten Wochen mit deinen eigenen Beobachtungen am Baum ab.
- Passe die Grenzwerte bei Bedarf manuell an.


