Stadtgrün erholt sich schneller als Landgrün
Pflanzen in der Stadt erholen sich nach Stressphasen schneller als Pflanzen auf dem Land. Das zeigt eine neue Studie mit Daten aus 751 Städten weltweit, über die unter anderem die Zeit in ihrem Artikel Bäume mögen es urban berichtet. Der wichtigste Grund ist nach Ansicht der Forschenden die Wasserversorgung. Daraus folgt aber nicht „einfach mehr gießen“, sondern gezielt und nach Bedarf gießen.
22 Jahre Satellitendaten aus 751 Städten
Ein Team der Universität Hongkong hat Satellitenbilder aus den Jahren 2001 bis 2022 von 751 Städten in 109 Ländern ausgewertet. Jede dieser Städte ist größer als 100 km². Die Satellitenbilder zeigen, wie grün eine Fläche ist. Unter Trockenheit oder Hitze verlieren Pflanzen an Grün, und wenn sich die Lage entspannt, kehrt es zurück. Aus diesem Auf und Ab berechneten die Forschenden, wie schnell sich die Vegetation erholt. Den Einfluss von saisonalen Einflüssen auf Temperatur, Niederschlag, Sonneneinstrahlung rechneten sie vorher heraus.
In die Auswertung kamen nur Flächen, die über den gesamten Zeitraum grün geblieben sind. Flächen, die im Lauf der Jahre bebaut oder versiegelt wurden, fielen heraus, ebenso Flächen mit mehr als 20 % Ackerland. Sonst hätten Bauarbeiten oder Ernten wie Stress und Erholung ausgesehen.
Verglichen wurden drei Zonen: der Stadtkern (Stand 1990), die bis 2018 hinzugekommenen Stadtgebiete und ein etwa 15 km breiter Ring im Umland.
Stadtgrün erholt sich schneller, und die Lücke wächst
In den meisten Städten erholte sich das Grün nach Stressphasen schneller als im Umland. Je nach Satellitendatensatz galt das für 78 % bzw. 91 % der Städte.
Das Stadtgrün erholt sich etwa 0,09 Monate schneller, also nicht ganz drei Tage. Die Zahl bezieht sich auf die normalen Schwankungen von Monat zu Monat, nicht auf die Erholung nach einer schweren Dürre. In trockenen Regionen ist der Vorsprung deutlich größer (mehr dazu unten).
Am schnellsten erholt sich die Vegetation im alten Stadtkern, dann folgen die neueren Stadtgebiete. Am langsamsten erholt sich das Grün im Umland.
Dieser Unterschied ist über die Jahre größer geworden, und zwar in 67 % der Städte. Das liegt vor allem daran, dass sich das Grün im Umland immer schlechter erholt. Das Stadtgrün blieb stabil oder wurde sogar leicht besser.
Je trockener, desto größer der Vorsprung
In trockenen Regionen ist der Unterschied zwischen Stadt und Land deutlich größer als in feuchten. Am größten war er bei einer Jahresmitteltemperatur um 25 °C und 100 bis 500 mm Niederschlag im Jahr. Ein Beispiel: Im wüstennahen Phoenix ist die Lücke viel größer als im feuchten Atlanta.
In den meisten Städten verloren Stadt- und Umlandgrün unter Stress ähnlich viel Grün. Der Unterschied lag in der Erholung. In 32 % der Städte, überwiegend in trockenen Gegenden, kam ein zweiter Vorteil hinzu: Das Stadtgrün verlor schon unter Stress weniger und erholte sich anschließend trotzdem schneller.
Der wichtigste Faktor: Wasser
Die Forschenden prüften neun mögliche Erklärungen, darunter die städtische Wärmeinsel, den CO₂-Gehalt der Stadtluft, die Bebauungsdichte und die Kronenhöhe der Bäume. Den stärksten Zusammenhang fanden sie bei der Bewässerung.
Weltweite Daten dazu, wie viel Parks und Straßenbäume gegossen werden, gibt es allerdings nicht. Das Team nutzte deshalb die Evapotranspiration als Hinweis. Gemeint ist das Wasser, das aus dem Boden verdunstet und von den Pflanzen über die Blätter abgegeben wird. Wenn Stadtgrün deutlich mehr Wasser abgibt als das Grün im Umland, muss ihm auch mehr Wasser zur Verfügung stehen. Besonders in trockenem Klima spricht das für künstliche Bewässerung.
Das ist ein Indiz, keine Messung, denn auch Schatten, Pflanzenart und Hitze beeinflussen die Verdunstung.
Was das für Stadtbäume bei uns bedeutet
Die Studie zeigt: Stadtgrün kann in einem wärmeren Klima widerstandsfähiger sein als die Natur draußen, wenn Wasser und Pflege stimmen. Auch in Deutschland werden die Sommer trockener. Die Dürrejahre seit 2018 haben gezeigt, wie schnell Stadtbäume an ihre Grenzen kommen.
Die Forschenden konnten nur indirekt ableiten, wo Wasser ankommt. Am einzelnen Baum lässt sich das direkt messen. TreeSense-Sensoren erfassen den Feuchtigkeitszustand im Stamm und zeigen, ob ein Baum gerade Wasser braucht oder noch gut versorgt ist. So wird gegossen, wenn es nötig ist, und nicht nach starrem Plan. Das spart Wasser und Arbeitszeit, und die Bäume bekommen das Wasser dann, wenn es ihnen am meisten hilft.