Urlaubsgrüße aus den Olivengärten von Lun

| Ökologie

Sommerzeit ist Ferienzeit. Das TreeSense-Team ist unterwegs und bringt faszinierende Geschichten von Bäumen aus ihren Urlaubsreisen mit. Dieses Mal geht es an die kroatische Adria, auf die Insel Pag. Ganz im Norden, rund um den kleinen Ort Lun, wächst einer der außergewöhnlichsten Olivenhaine der Welt. Manche der Bäume standen hier schon, als die Römer an Land gingen.

Ein botanisches Schutzgebiet im Norden von Pag

Auf der schmalen Landzunge um Lun wachsen rund 80.000 Olivenbäume. Etwa 1.500 davon sind wilde Oliven (Olea oleaster), zwischen fünf und acht Metern hoch, mit Stammdurchmessern von 20 bis 80 Zentimetern. Diese Dichte an uralten Wildoliven auf so kleiner Fläche ist weltweit einzigartig. Vergleichbare Bestände gibt es nur an zwei weiteren Orten, in Griechenland und Israel. Wegen dieser botanischen Bedeutung wurde das Gebiet bereits 1963 unter Schutz gestellt und zum botanischen Reservat erklärt.

Die ältesten Olivenbäume der Welt

Das Alter eines Olivenbaums lässt sich über seinen Radius abschätzen: Als grobe Faustregel entspricht ein Millimeter Radius etwa einem Jahr. Bei rund 80.000 Bäumen den ältesten sicher zu bestimmen, ist kaum möglich, deshalb arbeiten die Olivengärten mit agronomischen Instituten zusammen. Die bislang bestätigten Ergebnisse nennen zwei Bäume mit einem Alter von etwa 2.000 und 1.600 Jahren. Damit zählen sie zu den ältesten Olivenbäumen der Welt.

Überlebenskünstler zwischen Fels und Bura

Bemerkenswert ist vor allem, wo diese Bäume wachsen. Der Karstboden um Lun bietet kaum nutzbare Erde, dazu kommen lange Trockenperioden, salzhaltige Gischt und die Bura, der kalte Fallwind der Adria. Überlebt haben nur die Genotypen, die mit genau diesen Bedingungen zurechtkommen. Über Jahrhunderte ist so ein Bestand entstanden, der wie ein lebendes Archiv für Anpassung an Trockenheit, Wind und Salz funktioniert, also für dieselben Umweltfaktoren, mit denen sich auch TreeSense täglich beschäftigt.

Jeder Baum ein Unikat

Anders als viele Kulturoliven sind die Bäume von Lun nicht aus Stecklingen, sondern aus Kernen gewachsen. Auf die widerstandsfähigen Wildoliven wurde über Generationen die heimische Sorte Oblica aufgepfropft. DNA-Analysen zeigen eine große genetische Vielfalt im Hain, jeder Baum ist damit potenziell eine eigene Sorte. Ein Genpool, der nicht nur kulturhistorisch, sondern auch biologisch wertvoll ist.

Ein Baum, kein Bündel

Zum Schluss noch eine Geschichte, die zeigt, wie sehr diese Bäume die Fachwelt beschäftigen. Lange galt der dickste Baum des Hains als Zusammenschluss von zwei oder drei Olivenbäumen, die über die Jahrhunderte zusammengewachsen sein sollten. Erst eine DNA-Analyse brachte Klarheit: Es handelt sich um einen einzigen Baum, der über rund 2.000 Jahre zu diesem gewaltigen Stamm herangewachsen ist. Ein einzelner Organismus, der in seinen Jahresringen zwei Jahrtausende Klima, Trockenheit und Wind gespeichert hat.

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